Ein „extrem“ gutes Seminar in Altenkirchen – 3. FSJ-P Seminar vom 13.2.-17.2. in Altenkirchen zum Thema „Extremismus“

Man spricht dieser Tage immer wieder von einem Rechtsruck, der durch Europa geht. Rechtsradikale Parteien wie der „Front Nationale“ oder die „AfD“ haben in den vergangenen Jahren an politischem Gewicht gewonnen und stellen unsere liberale, offene Gesellschaft und die politische Debatte mit ihren extremistischen Programmen unter Druck und auf die Probe.

Unsere Seminargruppe hat sich die Frage gestellt, wie man diesem „Rechtsruck“ entgegenwirken kann und daher für unser drittes FSJ-P Seminar vom 13.2.-17.2. in Altenkirchen das Thema „Extremismus“ ausgewählt.

Wir beschäftigten uns mit Definitionen des Verfassungsschutzes von linkem und rechtem Radikal-/ und Extremismus. Zudem analysierten wir die, den Strömungen zugrunde liegenden, Ideologien und Symbole. Grundlegend konnten wir feststellen, dass sich Links-/ und Rechtsextreme in ihrer Zielsetzung zwar stark unterscheiden, die Wahl der Mittel zum Erreichen ihrer Ziele sich jedoch stark ähneln: absolute Bereitschaft zur Gewalt, die Totalität im Führungsanspruch und der Umgang mit Andersdenkenden.

Ich hatte mich vergangenes Seminar für das Vorbereitungsteam gemeldet und bereitete daher eine Einheit zum Thema Rechtsextremismus vor.

In Kleingruppen setzten wir uns mit verschiedenen Problematiken auseinander, z.B. mit dem V-Mann-Dilemma. Einerseits ist der Staat angewiesen auf direkte Quellen und deren Informationen aus der Szene, andererseits wird und wurde die rechte Szene auch dank jener Gelder für diese Informationen so stark wie sie heute ist.

Im Zusammenhang mit diesem Thema beleuchteten wir verschiedene Bereiche des NSU-Komplexes und schauten dazu eine Folge der Kabarettsendung „Die Anstalt“.

Der Höhepunkt des Seminars war der Besuch eines Aussteigers aus der rechtsextremen Szene. Er wurde begleitet von zwei Mitarbeiterinnen aus seinem Ausstiegsprogramm und erzählte uns stundenlang von seinem gleitenden Beitritt in eine rechtsradikale Gruppe, seinen dortigen Aufgaben und Tätigkeiten und seinem abrupten Ausstieg aus der Szene.

Er ist der Auffassung, dass „die Gesellschaft sehr kalt geworden sei“ und, dass es unheimlich einfach sei, junge frustrierte Menschen, die für sich keine Perspektive sehen und nicht wissen wo sie dazugehören, anzuwerben und zu radikalisieren. Höchstinteressant fand ich die Aussage, dass es völlig egal gewesen sei ob eine rechts-/ oder linksextreme Gruppe ihn damals angeworben hätte, wichtig sei nur gewesen, dass er irgendwo dazugehört und, dass er seinen Frust in Form von Gewalt loswerden konnte.

Im Anschluss an dieses Gespräch wurde uns klar, dass man den Extremismus am besten dort bekämpft wo er noch gar nicht entstanden ist. Offensichtlich finden sich die Hauptgründe für die Radikalisierung junger Menschen in deren sozialem Umfeld: Häusliche Gewalt, Mobbing, Diskriminierung etc. sorgen für ein fehlendes Zugehörigkeitsgefühl. Das daraus resultierende Gefühl der „Leere“ bewegt viele Jugendliche zum (meist völlig „unideologischem“) Eintritt in radikale Kreise. Nur wenn wir es schaffen diese „Leere“ durch ein stabiles, soziales Fundament zu füllen, können wir dafür sorgen, dass extremistisches Gedankengut keinen Platz in den Köpfen unserer Gesellschaft findet.

Über Friedel Pape

Freiwilliges Soziales Jahr im Hessischen Landtag 2016/2017
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