Meine Zeit im Parlamentsbereich – „Mehrheit ist Wahrheit?“

Vergangenen Monat verbrachte ich insgesamt drei Wochen im Parlamentsbereich. Ich wurde von den Kollegen offen und herzlich empfangen und direkt in ihre Arbeit eingebunden. Am ersten Tag bekam ich einen Fragebogen den ich abarbeiten konnte, wenn keine konkreten Arbeiten anstanden. Eine dieser Fragen beschäftigte mich besonders während der drei Wochen: „Mehrheit ist Wahrheit?“ Auf den ersten Blick schien es mir logisch, dass in einem demokratischen System die Wahrheit durch die Mehrheit legitimiert wird.

Ich besuchte Fraktionssitzungen von Regierungs- und Oppositionsfraktionen, verschiedene Ausschüsse und den NSU-Untersuchungsausschuss. Während der Plenarwoche konnte ich den öffentlichen Parlamentsbetrieb hautnah im Plenarsaal miterleben. Gleichzeitig konnte ich hinter die Kulissen schauen, war in die Vorbereitungen eingebunden und lernte den parlamentarischen Betrieb insgesamt kennen.

Je länger ich über die Frage „Mehrheit ist Wahrheit?“ nachdachte, desto mehr begann ich mit meiner anfänglichen Schlussfolgerung zu hadern. Sollte die Demokratie nicht gerade den Anspruch haben keine Wahrheit zu kennen, bzw. vorzugeben? Denn wo Mehrheit herrscht, wird immer auch eine Minderheit beherrscht. Diktaturen und Monarchien sämtlicher Epochen stützten ihren Herrschaftsanspruch darauf, eine allgemeingültige Wahrheit zu kennen bzw. vorgeben zu können. Wir sollten es doch mittlerweile eigentlich besser wissen?

Ich kam zu dem Schluss, dass die Demokratie den Anspruch der endlosen Wahrheitssuche haben muss um sich ihre Legitimation nicht selber abzusprechen.

Nochmal ein Dankeschön an die Kollegen aus dem Parlamentsbereich für die gute Zusammenarbeit und für die spannende und kontroverse Frage!

Foto: UN, Instagram

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Über Friedel Pape

Freiwilliges Soziales Jahr im Hessischen Landtag 2016/2017
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